EuGH Urteil zur Zeiterfassung. Was bedeutet das für deutsche Unternehmen?

by | 20.05.2019
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Arbeit 4.0, mehr Flexibilität in der Arbeitszeitgestaltung, Home Office: die meisten Unternehmen wünschen sich flexible Arbeitszeitmodelle - und Mitarbeiter. Wie passt das aktuelle Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH, 55/18) zur vollständigen Zeiterfassung dazu?

Unter’m Strich bedeutet es, dass Unternehmen in Zukunft die gesamte Arbeitszeit ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dokumentieren müssen.

Die Reaktionen auf das EuGH Urteil sind extrem unterschiedlich:

  • Die Arbeitgeber befürchten nun gewaltige bürokratische Hürden
  • Die New Work-Szene erwartet sogar das Ende der Flexibilität und die Abschaffung der Vertrauensarbeitszeit
  • Gewerkschaften und Betriebsräte freuen sich über einen besseren Schutz der Arbeitnehmer vor unbezahlten Überstunden.

Das Urteil wurde äußerst medienwirksam aufgenommen. Doch was steckt eigentlich dahinter? Hält die Stechuhr erneut Einzug in die Unternehmen? Wird Stempeln oder sich online einzuloggen bald für jeden zum Alltag gehören? Was bedeutet das für die gut 3,5 Mio. Unternehmen in Deutschland?

Zunächst einmal ist der deutsche Gesetzgeber gefragt, das Urteil national umzusetzen. Und Bundesarbeitsminister Heil hat bereits angekündigt, das EuGH-Urteil "modern, verlässlich und objektiv" umsetzen zu wollen.

Dabei will er Gestaltungsspielräume nutzen, die vom EuGH auch tatsächlich eingeräumt sind. Eine "Klärung" soll bis Ende des Jahres herbeigeführt werden. Wann und mit welchem Inhalt eine gesetzliche Regelung aufgrund einer solchen Klärung erfolgen wird, ist im Moment offen.

Checkliste Zeiterfassung herunterladen

Unternehmen, die schon digitale Lösungen zur Zeiterfassung einsetzen, sehen das Ganze gelassen

Denn Sie kennen bereits die Vorteile einer digitalen Zeiterfassung, zum Beispiel wie wenig Zeit und Aufwand solch eine Lösung kostet. Und wie auf der anderen Seite die Motivation der Mitarbeiter gesteigert wird, weil sie in die Planung und Erfassung integriert werden. Was für Fairness und Transparenz sorgt.

Mit einer intelligenten App-Lösung 

  • verwandeln Mitarbeiter ihr Smartphone oder ihren Rechner in eine mobile Stempeluhr
  • ist eine teure Investition in Hardware für Stempeluhren usw. nicht erforderlich
  • erhalten sowohl Mitarbeiter als auch Personalverantwortliche und die Lohnbuchhaltung automatisch eine Übersicht über die Arbeitszeiten.

 

Aber gehen wir noch mal einen Schritt zurück:

Wie kam es überhaupt zum EU-Urteil zur Zeiterfassung?

Eine spanische Gewerkschaft hatte geklagt, weil sie für die Angestellten der Deutschen Bank in Spanien eine Zeiterfassung erstreiten wollte. Das Argument der Gewerkschaft: für den  Schutz der Arbeitnehmer sei es nicht ausreichend, wenn lediglich - wie in Spanien gesetzlich geregelt - geleistete Überstunden von Arbeitgebern dokumentiert werden müssen. Vielmehr sei es notwendig, die gesamte Arbeitszeit zu erfassen.

Denn sonst sei es für die Arbeitnehmer unmöglich, die Einhaltung der Arbeitszeitgesetze zu überwachen und ihre Rechte aus der geleisteten Arbeitszeit geltend zu machen.

Gültig wird das Urteil nun für alle EU-Mitgliedsstaaten, da es sich beim Arbeitsschutz um ein Grundrecht aller Europäerinnen und Europäer handelt.

Die obersten EU-Richter haben ihr Urteil ganz hoch aufgehängt. Sie berufen sich auf die Grundrechte-Charta. Und sagen damit, dass die Einhaltung von Höchstarbeitszeiten und Ruhepausen ein Grundrecht ist, das geschützt werden muss.
Das heißt maximal 48 Stunden Arbeit pro Woche, mindestens elf Stunden Ruhezeit am Stück pro Tag und mindestens einmal in der Woche 24 Stunden Ruhezeit. 

 Zeiterfassung EuGH Urteil

Welche Regelungen gelten zurzeit in Deutschland?

Schon heute verpflichtet §16 des Arbeitszeitgesetzes (ArbZG) Arbeitgeber, Arbeitszeiten aufzuzeichnen, die über die werktägliche Arbeitszeit von acht Stunden (§3 ArbZG) hinausgehen. Es sei denn, es liegen bestimmte Ausnahmegründe für die Verlängerung auf zehn Stunden vor. Unabhängig davon müssen die gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten eingehalten werden.

Wie das gemacht wird, entscheidet der Arbeitgeber. Ein schriftliches (oder digitales) System ist auch bisher nicht vorgeschrieben. Und in vielen Firmen wird das auf Basis einer Vertrauensarbeitszeit-Regelung gelebt.

Auch in Spanien, wo das EuGH-Urteil bereits in geltendes Recht umgesetzt wurde, ist die Form der Erfassung nicht vorgeschrieben. Die ersten Auswirkungen sind laut Handelsblatt auch schon zu beobachten.

 

Ein Blick nach vorne: Was bedeutet das EuGH-Urteil? Und welche Folgen hat es?

In Unternehmen, die bereits ein System zur Zeiterfassung haben, ist der Aufwand sehr überschaubar. Mitarbeiter, die bis jetzt noch nicht gestempelt haben, müssen ihre Zeiten nun auch erfassen.

Kontrolle oder Vertrauen? Mitarbeiter in Unternehmen, in denen nach "Vertrauensarbeitszeit" gearbeitet wird, haben heutzutage häufig die Herausforderung, dass Job und Freizeit immer mehr verschwimmen.
Die Folgen für ihre Arbeitgeber hängen jetzt davon ab, wie diese mit der Vertrauensarbeitszeit umgehen. Sind beide Seiten bisher mit den gelebten Zeiten zufrieden, wird sich sicher eine unbürokratische Lösung finden.

Wenn Produktivität und Arbeitszeiterfassung allerdings nicht mehr im Einklang stehen und das "Vertrauen" bisher zu intransparenten (und damit unbezahlten) Überstunden führt, wird ein Zeiterfassungssystem Klarheit bringen. 

Denn die meisten Arbeitsverträge lauten noch immer auf „Geld gegen Arbeitsleistung“. Und diese ist zumeist in Arbeitsstunden beschrieben, nicht auf Basis von Ergebnissen.

Statistiken belegen übrigens: 2017 und 2018 haben Arbeitnehmer allein in Deutschland laut Daten der Bundesregierung jeweils rund eine Milliarde Überstunden geleistet, ohne dafür entlohnt zu werden. Auch wie mit Pendelzeiten umzugehen ist, ist umstritten.

Ausführliche Tipps und Hintergrundinfos zum EuGH Urteil finden Sie hier:

Tipps zum EuGH Urteil


Der Trend: Flexibilisierung der Arbeitszeiten

Eine Zeiterfassung - egal ob Zettel, Stempeluhr oder App - zur Überwachung der Anwesenheitszeit der Mitarbeiter einzusetzen, ist ziemlich antiquiert.

Zum Führen von Arbeitszeitkonten, zur Berechnung von Zuschlägen, zum Bearbeiten von Abwesenheiten und um die richtigen Mitarbeiter zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu haben, sind diese Lösungen allerdings sehr sinnvoll. 

Denn wer attraktiv für neue und bestehende Mitarbeiter sein möchte, lockt heute mit flexiblen Arbeitszeiten. Und die können durch digitale Lösungen ganz einfach realisiert  werden. Deshalb setzen viele Unternehmen längst elektronische Lösungen für die Zeiterfassung ein. 

Die Vorteile einer digitalen zeiterfassung:

  • Moderne Lösungen erlauben flexibles Buchen und Stempeln der Arbeitszeiten per Smartphone. Schichten werden untereinander getauscht. Die Mitarbeiter in die Planung integriert.
  • Über die digitalen Lösungen werden Prozesse wie Krankheiten, Urlaubsanträge, Schichtänderungen im Self-Service und auf Knopfdruck automatisch durchgeführt.
  • Die Arbeitszeiterfassung macht transparent, wie viel die Mitarbeiter wirklich gearbeitet haben. Sie wird dann nicht als Kontrolle empfunden, sondern als Entlastung: Der Mitarbeiter weiß, dass er Mehrarbeit geleistet hat, die dokumentiert wurde und die er auch bezahlt bekommt.
  • Die Personalabteilung wird entlastet, weil automatische Prozesse Gesetze sowie Tarif- und Betriebsvereinbarungen berücksichtigen und die Einhaltung der Arbeitsschutzgesetze dokumentieren.
  • Ruhepausen, gesetzliche und tarifliche Arbeitszeit-Vorgaben werden eingehalten. Denn zu wenige Ruhepausen – körperliche und mentale – machen krank, wie eine Studie der Uni Nürnberg belegt.
    Auch den Datenschutzvorgaben (DSGVO) und den Dokumentationspflichten gegenüber den Behörden wird Genüge getan.
  • Die gearbeiteten Zeiten werden automatisch vom System an die Lohnbuchhaltung übertragen. Die manuelle Auswertung der Arbeitszeit entfällt. Das bedeutet eine enorme Zeitersparnis, beschleunigt den Prozess und macht ihn weniger fehleranfällig. Gut für Arbeitgeber und Arbeitnehmer.
  • Die Grundlage für Management- und Personalentscheidungen wird exakter. Denn für Personalverantwortliche besteht die Aufgabe darin, die vielfältigen und teilweise hochkomplexen Anforderungen von Unternehmen abzubilden und einfach umzusetzen.
    Unter- oder Überbesetzungen werden schwarz auf weiß belegt und erleichtern somit die Personal- und Unternehmensplanung.

Kriterien für eine zeitgemäße Zeiterfassung

Software zur Zeiterfassung gibt es wie Sand am Meer. Doch wodurch zeichnet sich eine professionelle Lösung aus?

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Anke Otte

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